Werkzeug und Equipment fürs Auto: Was unterwegs immer dabei sein sollte
Einige wesentliche Utensilien werden dem Fahrzeug schon vom Hersteller in die Wiege gelegt, aber was im Pannenfall oder unter anderen Umständen manchmal als praktisches Hilfsmittel dienen kann, ist nicht immer ab Werk an Bord. Vom Hammer über den Reservekanister bis zum Scheibenreiniger: Es kann viel Zeit, Kosten und Nerven schonen, das passende Equipment unterwegs stets griffbereit zu haben. Der Goodwheel.at Ratgeber fasst zusammen, welche Utensilien du über die Pflichtausstattung hinaus als Dauerfahrgäste begleiten solltest.
Pflichtausstattung für Schutz und Sicherheit
Werkzeuge und andere hilfreiche Gegenstände im Auto sind optional. Demgegenüber gibt es eine gewisse Pflichtausrüstung, die nach Vorgaben des Gesetzgebers auf keinen Fall fehlen darf.
Zum Schutz und zur Sicherheit der eigenen Insassen sowie anderer Verkehrsteilnehmer müssen Verbandszeug, Pannendreieck und Warnweste immer mitfahren. Dass Führerschein und Zulassungsschein immer mitgeführt werden müssen, dürfte ebenfalls selbstverständlich sein.
Verbandszeug
Dass Verbandszeug beziehungsweise ein Erste-Hilfe-Set stets griffbereit im Fahrzeug mitzuführen ist, sollte jeder Autofahrer wissen.
Spätestens bei der wiederkehrenden Begutachtung oder einer Verkehrskontrolle kann auffallen, wenn die vorgeschriebene Ausrüstung fehlt oder nicht mehr vollständig verwendbar ist. Achte deshalb regelmäßig darauf, dass das Verbandszeug vollständig, sauber und einsatzbereit ist.
Schließlich kann die kleine Notfallausrüstung im Zweifel Leben retten. Das Nichtmitführen von Verbandszeug kann zu einer Strafe führen.
Pannendreieck
Eine geeignete Warneinrichtung, meist ein Pannendreieck, gehört in Österreich zur vorgeschriebenen Ausrüstung im Auto. Im Falle einer Panne oder eines Unfalls sollte das Pannendreieck situationsabhängig so aufgestellt werden, dass nachfolgende Verkehrsteilnehmer rechtzeitig gewarnt werden. Besonders wichtig ist das bei schlechter Sicht, unübersichtlichen Stellen, Kurven oder wenn das Fahrzeug ganz oder teilweise in einen Fahrstreifen ragt.
Warnweste
In Österreich muss in mehrspurigen Kraftfahrzeugen eine Warnweste für den Lenker mitgeführt werden. Empfehlenswert ist jedoch, für jede Person im Fahrzeug eine eigene Warnweste an Bord zu haben. Die Warnweste sollte gut erreichbar verstaut werden, damit sie im Pannen- oder Unfallfall vor dem Aussteigen angelegt werden kann.
Essenzielles Bordwerkzeug
Ob Oldtimer oder moderner Neuwagen: Viele Fahrzeuge sind schon vom Hersteller mit dem passenden Bordwerkzeug bestückt. Dieses ist aber keine Pflicht und dient vornehmlich dem Radwechsel bei einer Reifenpanne . Die Tasche mit dem Bordwerkzeug ist meist in einem Seiten- oder Bodenfach im Kofferraum oder in der Reserveradmulde positioniert.
Das Bordwerkzeug vom Fahrzeughersteller umfasst in der Regel:
- Wagenheber, gegebenenfalls inklusive Hebel
- Radmutternschlüssel beziehungsweise Radkreuz
- Zange
- Maulschlüssel in fahrzeugspezifischer Größe
- Schraubendreher für Kreuz und Schlitz
Radmuttern bei Kfz haben in der Regel eine Schlüsselweite von 17, 19 oder 21 mm. Der Schlüssel im Bordwerkzeug wird eine einheitliche Größe passend zum Fahrzeug aufweisen. Radkreuze und universelle Schlüssel, auch Drehmomentschlüssel, können hingegen zu allen drei Größen passen, gegebenenfalls durch verschiedene Aufsätze. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn du den Radwechsel selbst durchführst .
Bordwerkzeug Plus: Selbst aufstocken und optimieren
Kauft man einen Gebrauchtwagen, der schon durch mehrere Hände ging, kann es gut sein, dass das originale Bordwerkzeug noch bei einem der Vorbesitzer in der Garage verweilt. Aber auch wenn das Herstellerwerkzeug noch vollumfänglich im Auto vorhanden ist, kann es sinnvoll sein, dieses zu ersetzen oder aufzustocken.
Einerseits sind die Tools ab Werk lediglich auf den Pannenfall ausgerichtet, andererseits oft auf das Wesentliche reduziert. Eine umständliche Handhabung, fehlende Gummigriffe oder mangelhafte Qualität können das Arbeiten mit diesen Werkzeugen deutlich erschweren. Die Optimierung des Bordwerkzeugs ist vor allem für Hobbyschrauber eine wichtige Maßnahme.
Was kann dem Bordwerkzeug sinnvoll hinzugefügt werden?
- Komplettsatz Schraubendreher für Kreuz und Schlitz
- Satz Inbus- und gegebenenfalls Torx-Schlüssel
- Maulschlüssel- und Ringschlüssel-Satz
- Knarrensatz
- verschiedene Zangen wie Kombizange, Wasserpumpenzange, Kneifzange und Flachzange
- Hammer oder Gummihammer
- hochwertiger Wagenheber als Ersatz für den Standard-Wagenheber
- Unterstellböcke als Ergänzung zum Wagenheber
Gadgets aus dem Haushalt ins Auto
Was Zuhause bei schnellen Reparaturen und Basteleien hilft, ist im Auto nicht fehl am Platz. So kann es in vielen Fällen nützlich sein, die folgenden Utensilien mit an Bord zu haben.
- Taschenlampe
- Handschuhe
- Stift, zum Beispiel zum Markieren
- Cutter oder Teppichmesser
- Schere
- Kabelbinder
- Klebstoff
- Klebebänder wie Gewebeband oder Isolierband
- Draht
- Schnur oder Seil
- Stofftücher und Papierrolle
Für diese Gegenstände gibt es keine konkreten Anwendungsfälle. Sie benötigen aber insgesamt relativ wenig Platz und können in ganz unterschiedlichen Situationen schnelle Abhilfe bieten.
Je nach Gegenstand ist darauf zu achten, dass diese auf Dauer mit den Bedingungen im Fahrzeug wie Kälte, Hitze und Feuchtigkeit verträglich sind. So können zum Beispiel Klebebänder oder Klebstofftuben unter starker Sonneneinstrahlung und Hitzeeinwirkung leiden, sich öffnen und auslaufen.
Besser haben als brauchen: Weiteres nützliches Equipment im Kfz
Grundsätzlich stellt sich die Frage, welche Maßnahmen wirklich unterwegs notwendig sind und damit auch, welche Hilfsmittel dauerhaft im Auto mitfahren sollten. Diese Frage kann je nach Fahrzeug, Fahrer und Ziel sehr individuell beantwortet werden.
Natürlich möchte man nicht permanent eine komplette Werkstatt von A nach B kutschieren. Zusätzliches Gewicht an Bord erhöht den Kraftstoffverbrauch und vor allem auf längeren Touren oder der Fahrt in den Urlaub gilt: Jeder Kubikzentimeter Raum im Auto zählt.
Wer aber dauerhaft genug Kapazitäten im Fahrzeug hat und gerne selbst am Kfz Hand anlegt, ist mit den folgenden Utensilien auf alles vorbereitet:
Überbrückungskabel
Ob der eigenen Batterie mal der Saft ausgeht oder jemand anderes Starthilfe benötigt: Mit einem Überbrückungskabel bleibt ein kleines Problem klein und kann schnell behoben werden. Ist weit und breit kein Kabel zur Hand, kann einen das viel Zeit und im Zweifel auch Geld kosten.
Reservekanister
Ein Reservekanister für Treibstoff, zum Beispiel 5 oder 10 Liter, nimmt zwar etwas Platz ein, kann aber im Fall der Fälle für eine schnelle Rückkehr zur Mobilität sorgen. Achte dabei auf einen geeigneten, dicht verschließbaren und für Kraftstoff zugelassenen Kanister. Bei Fahrten ins Ausland solltest du vorab prüfen, welche Mengen dort erlaubt sind.
Idealerweise sollte der Kanister mit dem Treibstoff befüllt sein, den das Fahrzeug benötigt. Doch auch ein leerer Kanister kann hilfreicher sein als gar keiner, wenn die nächste Tankstelle fußläufig erreichbar ist.
Kompressor/Pumpe
Manche Autos sind herstellerseitig mit einer Kompressorpumpe bestückt, um Reifen auch fernab von Tankstellen und Zuhause aufpumpen zu können. Der Kompressor kann über einen 12-V-Anschluss im Kofferraum oder Cockpit betrieben werden.
Sollte dein Auto nicht über einen solchen Kompressor verfügen, so kannst du deine Reifen auch mit einer handelsüblichen Luftpumpe, Fahrradpumpe oder Fußluftpumpe füllen. Es nimmt zwar mit der manuellen Variante mehr Kraft und Zeit in Anspruch, aber eine Erhöhung des Reifendrucks ist mit solchen Pumpen ebenfalls möglich. Voraussetzung ist ein Pumpenkopf mit Autoventil- beziehungsweise Schraderventil-Adapter.
Klammer für Radschrauben-Schutzkappen
Nicht jedes Auto hat sie, aber es gibt Schutzkappen für Radschrauben, um diese vor Schmutz, Nässe und Korrosion zu schützen. Verwendest du solche Aufsätze, sollte das entsprechende Werkzeug zum Lösen unterwegs keinesfalls fehlen. Ohne die passende Zange lassen sich die Schutzkappen nur sehr schwer oder gar nicht lösen, womit sie einem Radwechsel deutlich im Wege stehen können.
Drehmomentschlüssel
Mit dem Drehmomentschlüssel lassen sich Radschrauben und Radmuttern mit der vorgegebenen Festigkeit anziehen, denn zu locker oder zu fest ist nicht gut. Nützlich ist dies beispielsweise, nachdem neue Räder auf dem Fahrzeug montiert wurden. In der Regel sollen etwa nach 50 km Fahrt die Radschrauben geprüft und gegebenenfalls nachgezogen werden, wovon ohne Drehmomentschlüssel abzuraten ist.
Hast du den Drehmomentschlüssel an Bord, kann das Nachziehen der Schrauben nach empfohlener Fahrleistung erfolgen und nicht erst 50 oder 100 km später – denn das kann im Zweifel schon zu spät sein.
Scheibenreiniger
Bist du schon einmal mit einem Auto ohne Klimaanlage mit beschlagenen Scheiben der untergehenden Sonne entgegen gefahren? Dann kennst du mindestens einen Grund, warum Scheibenreiniger in Kombination mit sauberen Tüchern ein wertvoller Begleiter sein kann.
Oft reicht ein üblicher Scheibenschwamm in solchen Situationen nicht, da dieser im Zweifel bereits verschmutzt ist und die Sicht noch stärker beeinträchtigen kann. Die Windschutzscheibe sammelt von innen mit der Zeit viel Schmutz, der sich ohne Glasreiniger kaum entfernen lässt. Ist die Sicht akut eingeschränkt, lohnt sich ein kurzer Stopp, um die Scheibe mithilfe des Sprays angemessen zu reinigen. Feuchtigkeit im Auto kann den Effekt der schlechten Sicht massiv verstärken.
Flasche Wasser im Winter mit Frostschutz
Ähnlich wie beim Scheibenreiniger von innen verhält es sich unter bestimmten Witterungsverhältnissen auf der Außenseite der Frontscheibe. Hat es zuvor geregnet, die Straße ist noch nass und zusätzlich stark verschmutzt, ein Lkw fährt vor dir und deine Scheibenwaschanlage ist leer, so fährst du nahezu blind.
Die Scheibenwischer verschlimmern den Schmutzfilm auf der Windschutzscheibe zusätzlich und die nächste Tankstelle ist nicht in Sicht. In solchen und ähnlichen Fällen kannst du etwas Wasser aus der Flasche über die Scheibe gießen oder es direkt in den Wischwassertank füllen. Mit einem Flascheninhalt von 1 Liter hast du genug Reserve für klare Sicht bis zur nächsten Tankstelle oder bis an dein Ziel. Im Winter sollte dabei auf ausreichend Frostschutz geachtet werden.
Öl und Trichter
Einen Ölwechsel musst du nicht unterwegs durchführen, aber das Nachfüllen von Öl kann dringend erforderlich werden, wenn der Ölstand zu niedrig und die vor dir liegende Strecke noch lang ist.
Ein kleines 1-Liter-Gebinde des passenden Öls kann in solchen Fällen den Motor retten, wenn du es immer mit dabei hast. Ein Trichter hilft beim Einfüllen ungemein, den Motorraum nicht großflächig zu verschmutzen oder die Umwelt in Mitleidenschaft zu ziehen.
Pappstücke, Gummiuntersetzer, Kork oder Ähnliches
Ein paar Stücke dicker Pappe, Gummi, Kork oder ähnlichen Polstermaterials können universell nützlich sein. Mitunter kann damit die Auflagefläche zwischen Wagenheber und Fahrzeug beim Anheben gepolstert oder dem Wagenheber ein sicheres Fundament auf dem Boden geschaffen werden.
Matte, Unterlage oder Isomatte
Eine Isomatte oder ähnliche Unterlage kann sehr hilfreich sein, wenn man zum Werkeln längere Zeit am Auto kniet oder sich sogar unter das Fahrzeug legen muss, um eine bestimmte Stelle am Unterboden zu erreichen.
Saisonabhängige Ausrüstung für Sommer und Winter
Die Jahreszeiten haben ihre ganz eigenen, besonderen Herausforderungen für Autofahrer. Wie damit umzugehen ist, ist weitgehend bekannt. Goodwheel fasst zusammen:
Winter
- Eiskratzer
- Handbesen oder Schaufel
- Türschlossenteiser
- Abdeckung für die Frontscheibe
- Enteiser-Spray
- Schneeketten, wenn Strecken oder Regionen dies erfordern
Sommer
- Sonnenbrille
- gegebenenfalls Abdeckung für die Frontscheibe innen als Sonnen- und Hitzeschutz
Fazit zum Fahrzeug-Equipment: Was muss mit und was sollte?
Du möchtest gern möglichst effizient und kraftstoffsparend unterwegs sein? Dann solltest du unnötiges Gewicht im Auto vermeiden. Du fährst gern auf Nummer sicher und hast genug Platz an Bord? Dann rüste dich für alle Fälle.
Manche der aufgeführten Hilfsmittel kommen äußerst selten zum Einsatz, manche auch gar nicht. Wenn man sie im Ernstfall dann aber doch einmal benötigt, möchte man sie keinesfalls missen.
Eine Reifenpanne musst du zum Beispiel nicht zwingend selbst bewältigen, wenn du Mitglied in einem Automobilclub bist und damit Pannendienst nutzen kannst. So auch bei der Starthilfe. Bleibst du aber mit leerem Tank liegen, so hätte dies verhindert werden können und liegt in eigener Verantwortung.
Die Frage, ob etwas mitgeführt werden sollte oder nicht, stellt sich bei der Pflichtausstattung natürlich nicht: Verbandszeug, Pannendreieck und Warnweste müssen stets dabei sein, sonst kann eine Strafe drohen.
Autorenhinweis
Geschrieben von Pierre Bonse
Freier Texter & Fachredakteur
Pierre Bonse schreibt für die Goodwheel Themengarage über Reifen, Räder, Fahrzeugtechnik und Mobilität. Seine Beiträge verbinden sorgfältige Recherche mit verständlichen Erklärungen und praktischen Tipps rund um Reifenkauf, Fahrzeugpflege und Sicherheit.
Schwerpunkte: Reifen-ABC, Reifen & Felgen, Reifentests, Kfz-Wissen
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