Geschwindigkeitsindex bei Reifen: Bedeutung, Tabelle und Berechnung
Der Geschwindigkeitsindex für Reifen, auch Speedindex genannt, gibt Auskunft über die zulässige Höchstgeschwindigkeit eines Reifens. Die Kennung besteht meist aus einem Buchstaben und zeigt an, bis zu welcher Geschwindigkeit der Reifenhersteller bei korrektem Luftdruck einen einwandfreien Betrieb des Reifens garantiert. Wird das zulässige Tempo überschritten, kann sich der Reifen stark erhitzen. Im schlimmsten Fall kann sich die Profilschicht von der Karkasse lösen.
Aus gutem Grund ist für jedes Auto der zulässige Speedindex in den Fahrzeugdaten festgelegt. Wird diese Vorgabe missachtet, können ein hohes Sicherheitsrisiko sowie rechtliche und versicherungstechnische Folgen entstehen. Aber was genau bedeuten die Angaben hinter den Buchstaben und Zahlen? Welche Rolle spielt der Lastindex? Und gibt es Unterschiede bei Sommerreifen, Winterreifen und Ganzjahresreifen? Goodwheel erklärt die wichtigsten Punkte rund um den Geschwindigkeitsindex.
Wo finde ich den Geschwindigkeitsindex?
Der Geschwindigkeitsindex kann an zwei wichtigen Stellen überprüft werden: in den Fahrzeugunterlagen und direkt auf der Reifenflanke. Für Österreich sind je nach Fahrzeug unter anderem Zulassungsschein, COC-Papier, Genehmigungsdatenbank, Betriebsanleitung oder Herstellerangaben relevant. Dort findest du die zulässigen Reifendimensionen sowie Angaben zu Lastindex und Geschwindigkeitsindex.
Darüber hinaus ist der Geschwindigkeitsindex auch direkt auf der Reifenflanke zu finden. Passende Reifen kannst du unter anderem nach Geschwindigkeitsindex filtern: Sommerreifen, Winterreifen und Ganzjahresreifen. Wichtig: Der Reifenwert betrifft den Reifen selbst und nicht automatisch den für das Fahrzeug zugelassenen Speedindex. Ein höherer Speedindex als vorgeschrieben ist in der Regel zulässig, ein niedrigerer hingegen nicht.
Wenn du unsicher bist, welche Reifen für dein Fahrzeug zulässig sind, solltest du die Angaben in den Fahrzeugunterlagen mit den Herstellerinformationen abgleichen oder einen Fachbetrieb fragen. Wichtig ist: Die Angaben auf dem aktuell montierten Reifen zeigen nur dessen Eigenschaften, nicht automatisch alle für dein Fahrzeug erlaubten Kombinationen.
Speedindex auf Reifenflanke und in den Fahrzeugdaten
Sowohl in den Fahrzeugdaten als auch auf dem Reifen selbst ist eine Reihe verschiedener Zahlen, Buchstaben und Zeichen angegeben. Der Geschwindigkeitsindex steht am Ende der Reifenbezeichnung. Ein gängiges Beispiel lautet: 195/65 R15 91V. In diesem Fall steht das „V“ für den Geschwindigkeitsindex und erlaubt eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h.
Geschwindigkeitsindex Tabelle: Welcher Buchstabe steht für welche Geschwindigkeit?
Als grobe Orientierung gilt: Je weiter hinten der Buchstabe im Alphabet steht, desto höher ist meist die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Gängige Geschwindigkeitsklassen moderner Pkw liegen beispielsweise zwischen 160 und 240 km/h und werden häufig mit den Buchstaben Q bis V angegeben.
Es gibt jedoch Ausnahmen. So steht der Index H nicht für einen niedrigen Wert, sondern für bis zu 210 km/h. Der Buchstabe V steht für bis zu 240 km/h. Besonders hohe Geschwindigkeitsbereiche können zudem mit W, Y oder Sonderkennzeichnungen wie ZR angegeben werden.
Die wichtigsten und geläufigsten Speedindex-Kennziffern findest du in der folgenden Übersicht:
| Geschwindigkeitsindex | Zulässige Höchstgeschwindigkeit | Passende Reifen ansehen |
|---|---|---|
| N | bis 140 km/h | Reifen ansehen |
| Q | bis 160 km/h | Reifen ansehen |
| R | bis 170 km/h | Reifen ansehen |
| S | bis 180 km/h | Reifen ansehen |
| T | bis 190 km/h | Reifen ansehen |
| H | bis 210 km/h | Reifen ansehen |
| V | bis 240 km/h | Reifen ansehen |
| W | bis 270 km/h | Reifen ansehen |
| Y | bis 300 km/h | Reifen ansehen |
Hintergründe und Bestimmungsgrundlage für den Geschwindigkeitsindex
Nicht jedes Fahrzeug kann gleich schnell bewegt werden. Während einige Autos die 140-km/h-Grenze kaum erreichen, schaffen andere 300 km/h und mehr. Hohe Geschwindigkeiten stellen besondere Anforderungen an Reifen. Deshalb muss der Speedindex zu Fahrzeug, Reifendimension und Einsatzbereich passen.
Für größtmögliche Sicherheit, Überprüfbarkeit und eine einheitliche Referenz wird der entsprechende Geschwindigkeitsindex bei Zulassungen von Fahrzeugtypen festgelegt. Fahrzeughersteller können den zugewiesenen Speedindex nach eigenem Ermessen auch in eine höhere Geschwindigkeitsklasse korrigieren, nach unten hingegen nicht.
Beispiel: Ein Fahrzeug mit vorgegebenem Speedindex H für bis zu 210 km/h darf in der Regel auch mit Reifen der Geschwindigkeitsklasse V für bis zu 240 km/h bestückt werden, sofern Größe, Lastindex und weitere Vorgaben zulässig sind. Mit einem Reifen der Geschwindigkeitsklasse T für bis zu 190 km/h dürfte dieses Fahrzeug hingegen nicht gefahren werden.
Speedindex-Ermittlung und Einfluss des Lastindex
Die Überprüfung, welcher Geschwindigkeitsindex später auf der Reifenflanke stehen darf, erfolgt im Testlabor. Auf dem Rollenprüfstand wird ein Reifen in 10-Minuten-Abständen um jeweils 10 km/h schneller angetrieben und muss ein bestimmtes Tempo unter verschiedenen Beladungszuständen über längere Zeit halten.
Auch der Lastindex spielt für den Speedindex eine wichtige Rolle. Der Lastindex, auch Tragfähigkeitsindex, Load-Index oder Traglastindex genannt, steht als Zahlenwert direkt vor dem Speedindex. Fahrzeuggewicht und Beladung beeinflussen das Fahrverhalten eines Reifens bei hohem Tempo. Deshalb sollte bei der Reifenwahl nicht nur auf den Geschwindigkeitsindex, sondern auch auf den passenden Lastindex geachtet werden.
Geschwindigkeitsindex berechnen: Formel und Beispiel
Ein zentraler Wert zur Berechnung des Geschwindigkeitsindex ist die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit, kurz bbH. Die bbH ist die Geschwindigkeit, die ein Kraftfahrzeug nach seiner Bauart auf ebener Strecke bei bestimmungsgemäßer Benutzung nicht überschreiten kann.
Formel zum Geschwindigkeitsindex
Berechnet wird der nötige Sicherheitszuschlag auf Grundlage der bbH wie folgt:
bbH × 0,01 + 6,5 km/h
Mit dieser Formel wird zunächst ein Sicherheitszuschlag errechnet, den der Reifen über die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs hinaus haben muss. Hat ein Auto also eine bbH von 195 km/h, ergibt sich ein Zuschlag von 8,45 km/h. Die Reifen müssen folglich für mindestens rund 204 km/h zugelassen sein, was dem Speedindex H entspricht.
Der direkte Rechenweg für die erforderliche Reifen-Höchstgeschwindigkeit lautet:
(bbH + 6,5 km/h) + (0,01 × bbH) = erforderliche Reifen-Höchstgeschwindigkeit
Bei einer bbH von 195 km/h lautet die Rechnung:
(195 + 6,5) + (0,01 × 195) = 201,5 + 1,95 = 203,45 km/h
Speedindex bei Sommerreifen, Winterreifen und Ganzjahresreifen
Die Index-Regelungen und Geschwindigkeitsklassen gelten grundsätzlich unabhängig von der Reifensaison. Sie machen also zunächst keinen Unterschied zwischen Sommerreifen, Winterreifen und Ganzjahresreifen.
Eine wichtige Besonderheit betrifft Winterreifen und Ganzjahresreifen mit entsprechender Winterkennzeichnung. In Österreich sind Winterreifen unter anderem an den Kennzeichnungen M+S, M.S. oder M&S erkennbar. Moderne Winter- und Ganzjahresreifen tragen häufig zusätzlich das Alpine-Symbol beziehungsweise 3PMSF.
Liegt der Geschwindigkeitsindex eines Winter- oder Ganzjahresreifens unter der bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs, darf die zulässige Höchstgeschwindigkeit des Reifens nicht überschritten werden. Ein entsprechender Hinweis im Sichtbereich des Fahrers oder eine Anzeige im Fahrzeug sollte beachtet werden. Entscheidend sind immer die Vorgaben aus Fahrzeugunterlagen, Reifenfreigabe und geltendem Recht.
Eine Sonderregelung betrifft Reisen nach Italien im Sommer. Vom 16. Mai bis 14. Oktober dürfen M+S-Winter- und Ganzjahresreifen dort nur gefahren werden, wenn deren Geschwindigkeitsindex mindestens dem in den Fahrzeugdaten vorgeschriebenen Index entspricht.
Was droht bei falschem Geschwindigkeitsindex?
Wer mit Reifen fährt, deren Speedindex nicht zu den Fahrzeugdaten oder zur tatsächlichen Nutzung passt, riskiert Reifenschäden, Pannen und Unfälle. Sind Fahrzeug-Höchstgeschwindigkeit und Reifenfreigabe nicht aufeinander abgestimmt, können Hitzeentwicklung und Zentrifugalkraft den Reifen stark belasten.
Zusätzlich können bei Kontrollen, Begutachtungen oder nach einem Unfall rechtliche und versicherungstechnische Probleme entstehen. Um Aufwand, Ärger und Kosten zu vermeiden, sollte bereits beim Reifenkauf auf den korrekten Speedindex geachtet werden.
Das Team von Goodwheel steht dir bei Fragen zur Reifenwahl nach dem passenden Speedindex gerne zur Verfügung. In unserem Onlineshop kannst du die Ergebnisse deiner Reifensuche anhand der Speedindex-Werte filtern. Es werden dir dabei nur die Geschwindigkeitsklassen angezeigt, die in deiner getroffenen Reifen-Vorauswahl vertreten sind.
Autorenhinweis
Geschrieben von Pierre Bonse
Freier Texter & Fachredakteur
Pierre Bonse schreibt für die Goodwheel Themengarage über Reifen, Räder, Fahrzeugtechnik und Mobilität. Seine Beiträge verbinden sorgfältige Recherche mit verständlichen Erklärungen und praktischen Tipps rund um Reifenkauf, Fahrzeugpflege und Sicherheit.
Schwerpunkte: Reifen-ABC, Reifen & Felgen, Reifentests, Kfz-Wissen
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