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Motorradreifen wechseln: selbst machen oder in die Werkstatt?

Aufwand, Werkzeug und wichtige Hinweise rund um den Motorradreifenwechsel

Motorradreifen übernehmen eine besonders wichtige Aufgabe: Sie stellen die einzige Verbindung zwischen deinem Motorrad und der Fahrbahn her. Umso wichtiger ist es, dass Reifen, Felgen und Räder in einwandfreiem Zustand sind und nach einem Wechsel wieder korrekt am Motorrad montiert werden.

Dabei solltest du zwei unterschiedliche Arbeiten auseinanderhalten: den Ausbau des kompletten Rades am Motorrad und den eigentlichen Reifenwechsel auf der Felge. Während sich der Radausbau bei vielen Motorrädern mit technischem Verständnis und dem passenden Werkzeug selbst erledigen lässt, verlangt die Reifenmontage deutlich mehr Erfahrung und spezielles Equipment.

Motorradreifen selbst wechseln oder in die Werkstatt bringen?

Welche Lösung für dich sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, welche Arbeiten du selbst übernehmen möchtest, wie oft ein Reifenwechsel anfällt und welches Werkzeug dir zur Verfügung steht.

Rad selbst ausbauen

Kennst du dein Motorrad und verfügst über das notwendige Werkzeug, kannst du Vorder- oder Hinterrad bei vielen Modellen selbst ausbauen und anschließend zum Reifenservice bringen.

Reifen selbst montieren

Das Abziehen des alten und Aufziehen des neuen Motorradreifens erfordert geeignetes Montagewerkzeug, Erfahrung und einen sicheren Umgang mit Reifen und Felge. Anschließend muss das Rad ausgewuchtet werden.

Wechsel in der Werkstatt

Möchtest du dich um nichts selbst kümmern, kann eine Fachwerkstatt den kompletten Wechsel übernehmen: vom Radausbau über die Reifenmontage und das Auswuchten bis zum Wiedereinbau.

Wann sollten Motorradreifen gewechselt werden?

Nicht nur ein abgefahrenes Profil kann einen Reifenwechsel notwendig machen. Auch Beschädigungen, Alterungserscheinungen oder ein dauerhaft auffälliger Luftdruckverlust können Gründe dafür sein, einen Motorradreifen überprüfen oder ersetzen zu lassen.

  • In Österreich beträgt die gesetzliche Mindestprofiltiefe bei Motorradreifen grundsätzlich 1,6 mm.
  • Risse, Verformungen, Fremdkörper oder andere sichtbare Schäden sollten fachlich kontrolliert werden.
  • Wiederkehrender Druckverlust kann auf Probleme am Reifen, Ventil oder an der Felge hinweisen.
  • Auch Fahrweise, Kilometerleistung, Lagerung und Alter beeinflussen den Zustand eines Reifens.

Gut zu wissen

Nicht nur die Profiltiefe zählt. Kontrolliere deine Motorradreifen regelmäßig auch auf Beschädigungen, Veränderungen an der Reifenflanke und den richtigen Luftdruck.

Wie alt dürfen Motorradreifen sein?

Eine allgemeine gesetzliche Altersgrenze, nach deren Erreichen ein Motorradreifen automatisch ersetzt werden muss, gibt es nicht. Wie schnell ein Reifen altert, hängt unter anderem von Lagerung, Witterung, Nutzung, Belastung und Reifendruck ab.

Zusätzlich geben Reifenhersteller eigene Empfehlungen zum Reifenalter heraus. Michelin empfiehlt beispielsweise, Reifen ab fünf Jahren Nutzung jährlich fachlich kontrollieren zu lassen und sie spätestens nach zehn Jahren auszutauschen, selbst wenn sie äußerlich noch einen brauchbaren Eindruck machen.

Rad ausbauen und Reifen wechseln: Wo liegt der Unterschied?

Wenn von einem Motorradreifenwechsel gesprochen wird, ist damit nicht immer die gleiche Arbeit gemeint. Beim Radausbau wird lediglich das komplette Vorder- oder Hinterrad vom Motorrad entfernt. Der Reifen bleibt dabei zunächst auf der Felge.

Das ausgebaute Rad kannst du anschließend zu einem Reifenservice bringen. Dort wird der alte Reifen entfernt, der neue Reifen montiert und das Rad ausgewuchtet. Danach kannst du das fertige Rad wieder am Motorrad einbauen.

Reifen von der Felge wechseln

Bei der eigentlichen Reifenmontage wird der alte Reifen zunächst von der Felge gelöst und vollständig abgezogen. Danach werden Felge, Ventil und weitere relevante Bauteile kontrolliert, bevor der neue Reifen montiert wird.

Nach der Montage muss geprüft werden, ob der Reifen korrekt auf der Felge sitzt. Außerdem gehört das Auswuchten des kompletten Rades zum fachgerechten Reifenwechsel.

Welches Werkzeug brauchst du für den Motorradreifenwechsel?

Welche Werkzeuge erforderlich sind, hängt davon ab, ob du nur das Rad ausbauen oder auch den Reifen selbst von der Felge wechseln möchtest.

Werkzeug für den Radausbau

  • geeigneter Motorrad-, Montage- oder Zentralständer
  • passende Stecknüsse und Schlüssel
  • Drehmomentschlüssel
  • gegebenenfalls Werkzeug für Achs- und Klemmschrauben
  • Hilfsmittel zur Kontrolle von Kettenspannung und Radflucht
  • Herstellervorgaben oder Betriebshandbuch des Motorrads

Zusätzlich für die Reifenmontage

  • geeignetes Reifenmontagegerät oder entsprechendes Montagewerkzeug
  • Abdrückvorrichtung für die Reifenwulst
  • Felgenschutz und geeignetes Reifenmontierwerkzeug
  • geeignete Reifenmontagepaste
  • Ventilwerkzeug und gegebenenfalls neue Ventile
  • geeignete Druckluft- und Fülleinrichtung
  • Wuchtbock oder Wuchtmaschine
  • passende Ausgleichsgewichte

Motorrad für den Radwechsel sicher aufbocken

Vor dem Ausbau eines Rades muss dein Motorrad stabil stehen. Je nach Modell kann ein vorhandener Hauptständer verwendet werden. Bei vielen Motorrädern sind jedoch ein Vorder- oder Hinterrad-Montageständer, ein Zentralständer oder eine andere geeignete Hebevorrichtung notwendig.

Welche Aufnahmepunkte dafür geeignet sind, unterscheidet sich von Motorrad zu Motorrad. Richte dich deshalb nach den Vorgaben des Fahrzeugherstellers und des verwendeten Montageständers.

Wichtig

Das Motorrad muss beim Radwechsel gegen Kippen und unbeabsichtigtes Absenken gesichert sein. Ein instabiler Stand kann zu Schäden und Verletzungen führen.

Motorrad-Vorderrad ausbauen

Beim Ausbau des Vorderrades können je nach Motorrad Achse, Achsklemmung, Bremssättel, Distanzstücke und ABS-Sensoren betroffen sein.

Beim Wiedereinbau müssen sämtliche Bauteile wieder an der vorgesehenen Stelle sitzen. Schrauben, Achsen und Klemmungen müssen entsprechend den Herstellervorgaben angezogen werden.

Motorrad-Hinterrad ausbauen

Beim Hinterrad kommt zusätzlich der jeweilige Antrieb hinzu. Bei Motorrädern mit Kettenantrieb müssen beispielsweise Kette, Kettenspanner und Radflucht berücksichtigt werden.

Bei Riemen- oder Kardanantrieb kann sich die Vorgehensweise deutlich unterscheiden. Eine allgemeingültige Anleitung für alle Motorräder gibt es daher nicht – entscheidend sind immer die Vorgaben für dein konkretes Modell.

Neuen Motorradreifen auf die Felge montieren

Vor der Montage müssen Reifen und Felge technisch zueinander passen und für dein Motorrad geeignet sein. Außerdem solltest du Felge, Reifen, Ventil und gegebenenfalls vorhandene Schläuche oder Sensoren kontrollieren.

Gibt der Reifenhersteller eine Laufrichtung vor, muss diese unbedingt eingehalten werden. Für die Reifenmontage sollte eine geeignete Montagepaste verwendet werden. Ungeeignete Schmiermittel können Reifen oder Felge beeinträchtigen.

Beim Aufpumpen und Setzen der Reifenwülste entstehen hohe Kräfte. Deshalb sind die Montage- und Fülldruckvorgaben des jeweiligen Reifenherstellers sowie geeignete Montage- und Sicherheitseinrichtungen zu beachten.

Motorradreifen nach der Montage auswuchten

Nachdem der neue Reifen montiert wurde, sollte das komplette Rad auf Unwucht kontrolliert werden. Unterschiede in der Gewichtsverteilung von Reifen und Felge lassen sich mit entsprechenden Ausgleichsgewichten korrigieren.

Eine Unwucht kann sich unter anderem durch Vibrationen bemerkbar machen und sich negativ auf Fahrkomfort und Fahrverhalten auswirken. Für die Kontrolle können ein geeigneter Wuchtbock oder eine Wuchtmaschine verwendet werden.

Reifenmontage und Auswuchten

Mit dem Aufziehen des neuen Reifens ist die Arbeit noch nicht abgeschlossen. Auch die Balance des kompletten Rades sollte geprüft werden.

Was solltest du nach dem Wiedereinbau kontrollieren?

Bevor du wieder auf die Straße gehst, solltest du kontrollieren, ob das Rad und alle zuvor gelösten Bauteile korrekt montiert wurden. Welche Prüfungen notwendig sind, hängt vom jeweiligen Motorrad ab.

  • Achsen, Klemmungen und Bremssättel nach Herstellervorgabe befestigen
  • Distanzstücke und weitere Bauteile auf ihren richtigen Sitz kontrollieren
  • Vorgeschriebenen Reifenfülldruck einstellen
  • Kettenspannung und Radflucht bei Kettenantrieb kontrollieren
  • ABS-Sensoren und Leitungen auf korrekten Sitz prüfen
  • Bremsfunktion vor der ersten Fahrt kontrollieren

Wie aufwendig ist ein Motorradreifenwechsel?

Wie viel Zeit ein Reifenwechsel benötigt, hängt stark vom Motorrad, dem jeweiligen Rad, der Reifenkonstruktion und deiner vorhandenen Ausstattung ab. Bei einem vertrauten Motorrad kann der reine Radausbau relativ überschaubar sein, während unbekannte Modelle oder schwer zugängliche Bauteile deutlich mehr Aufwand verursachen können.

Die eigentliche Reifenmontage auf der Felge kommt zusätzlich hinzu. Wer nur selten neue Motorradreifen benötigt, fährt daher häufig gut damit, das Rad selbst auszubauen und Montage sowie Auswuchten einem Fachbetrieb zu überlassen.

Was kostet ein Motorradreifenwechsel in Österreich?

Für die Montage von Motorradreifen gibt es keinen einheitlichen Preis. Die Kosten unterscheiden sich je nach Werkstatt und danach, ob du das komplette Motorrad oder bereits ausgebaute Räder zum Reifenservice bringst.

Auch das Auswuchten, neue Ventile, die Entsorgung der Altreifen und zusätzliche Arbeiten können sich auf den Gesamtpreis auswirken.

Wenn du technisch erfahren bist, kann es deshalb eine praktische Möglichkeit sein, die Räder selbst auszubauen und lediglich die eigentliche Reifenmontage und das Auswuchten vom Fachbetrieb erledigen zu lassen.

Eine praktische Zwischenlösung

Du baust das Rad selbst aus, lässt den neuen Reifen vom Fachbetrieb montieren und auswuchten und setzt das fertige Rad danach wieder ein. Ein eigenes Reifenmontiergerät oder Wuchtequipment brauchst du so nicht.

Passende Motorradreifen für dein Bike finden

Bevor ein Reifenwechsel ansteht, brauchst du natürlich den passenden Reifen für dein Motorrad. Entscheidend sind unter anderem die richtige Reifendimension sowie Last- und Geschwindigkeitsindex und die Vorgaben für dein Fahrzeug.

Bei Goodwheel.at findest du Motorradreifen für unterschiedliche Bikes und Einsatzbereiche – von sportlichen Straßenreifen und Touringreifen bis hin zu Adventure- und Enduroreifen.

Häufige Fragen zum Motorradreifenwechsel

Technisch erfahrene Motorradfahrer können den Aus- und Einbau eines kompletten Rades bei vielen Motorrädern selbst übernehmen. Für die Montage des Reifens auf der Felge und das anschließende Auswuchten sind jedoch spezielles Werkzeug und entsprechende Erfahrung erforderlich.

Nach der Montage eines neuen Reifens sollte das komplette Rad auf Unwucht kontrolliert und bei Bedarf mit entsprechenden Gewichten ausgewuchtet werden.

Die gesetzliche Mindestprofiltiefe für Motorradreifen beträgt in Österreich grundsätzlich 1,6 mm. Unabhängig davon solltest du deine Reifen regelmäßig auf ausreichendes Profil, Beschädigungen und ihren allgemeinen Zustand kontrollieren.

Eine allgemeine gesetzliche Zehn-Jahres-Grenze gibt es nicht. Das Reifenalter sollte trotzdem berücksichtigt werden. Hersteller geben hierzu eigene Empfehlungen. Michelin empfiehlt beispielsweise ab fünf Jahren Nutzung jährliche fachliche Kontrollen und spätestens nach zehn Jahren einen Austausch.

Beim Hinterrad müssen häufig zusätzliche Komponenten des Antriebs berücksichtigt werden, etwa Kette, Riemen oder Kardanantrieb. Wie groß der Unterschied tatsächlich ist, hängt vom jeweiligen Motorradmodell ab.

Viele Motorrad- und Reifenwerkstätten montieren neue Reifen auch auf bereits ausgebauten Rädern. Ob dieser Service angeboten wird und welche Leistungen im Preis enthalten sind, solltest du vorab direkt beim jeweiligen Betrieb erfragen.

Autorenhinweis

Geschrieben von Pierre Bonse

Portrait von Pierre Bonse, freier Texter und Fachredakteur der Goodwheel Themengarage

Freier Texter & Fachredakteur

Pierre Bonse schreibt für die Goodwheel Themengarage über Reifen, Räder, Fahrzeugtechnik und Mobilität. Seine Beiträge verbinden sorgfältige Recherche mit verständlichen Erklärungen und praktischen Tipps rund um Reifenkauf, Fahrzeugpflege und Sicherheit.

Schwerpunkte: Reifen-ABC, Reifen & Felgen, Reifentests, Kfz-Wissen

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